Veranstaltung

17. Aug 2018 – 21. Sep 2018

Kunst in schönen Bauten der 1960er-Jahre

Doppelausstellung "Schwimmen in Geld" und "Doppelplusmodern"

Architektur trifft Kunst: Der Bund Deutscher Architekten Dortmund Hamm Unna und das Architekturbüro SCHAMP & SCHMALÖER organisieren zwei Ausstellungen in der Sckellstraße und bespielen damit wesentliche Elemente einer städtebaulichen Idealplanung, die am südlichen Innenstadtrand Dortmunds zur Bundesgartenschau 1958 entwickelt und bis Mitte der 60er Jahre realisiert wurde.

Kaum vom Parkgelände zu trennen, wurden die pavillonartigen Volumina des ehemaligen Mädchengymnasiums am Rand des Parks entlang der Sckellstraße platziert, wobei sich die Grünanlagen des Parks unter den aufgeständerten Verbindungsgängen des Schulensembles hindurch bis in das Wohngebiet zogen. Auf der anderen Seite der neuen Straße entstanden mehr oder weniger zeitgleich zunächst fünf eingeschossige Bungalows auf rund 1.000 m2 großen Grundstücken, ein kleines, heute nicht mehr existierendes Einkaufszentrum mit Lebensmittelgeschäft und Frisör sowie drei achtgeschossige Wohnhäuser, deren Balkone einen wunderschönen Blick in den Park gewährleisten. Dieses Ensemble ist noch heute in weiten Teilen vorhanden. Das Schulgebäude wird in Kürze unter Denkmalschutz gestellt. Auch die Denkmalwürdigkeit der Einfamilienhäuser ist überprüft worden. Das Verfahren ist noch nicht vollständig abgeschlossen.

Die Objekte von außen zu besichtigen, ist für Architekturinteressierte ohnehin schon spannend genug. Das für die Bauzeit ungewöhnlich intakte Ensemble soll im Rahmen des Ausstellungszeitraums von „Big Beautiful Buildings“ vom 17.8. bis zum 21.9.2018 aber auch von innen für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Hierzu öffnet das Einfamilienhaus in der Sckellstraße 12 die Räume des unterirdischen Schwimmbades, das 1966 vom Architekten Wilhelm Menne unter dem Garten des 8 Jahre älteren Hauses von Karl Quebbemann platziert wurde.

In diesem aktuell nicht mit Wasser gefüllten Schwimmbadraum (das Foto zeigt ein farbenfrohes Wand füllendes Relief von Peter Lechner) zeigt das Architekturbüro SCHAMP & SCHMALÖER Fotos aus der von Richard Schmalöer herausgegebenen Buchpublikation „Schwimmen in Geld – private Hallenbäder des deutschen Wirtschaftswunders“. Richard Schmalöer hat über einen Zeitraum von über 10 Jahren immer wieder Schwimmbäder aus den drei Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts fotografisch dokumentieren lassen und eine Auswahl von Bildern und Objekten zusammengetragen, die nur selten für die Öffentlichkeit zugänglich waren. Deutlicher dokumentiert kein anderer Bautyp, wie sich die junge Bundesrepublik von den 50er- bis zu den 70er-Jahren gewandelt hat, wie schnell aus den Krisenjahren wieder ein gehobener Lebensstandard, wenn nicht sogar eine gewisse Dekadenz erwachsen ist.

Doppelplusmodern – Alekos Hofstetter und Evol

Genau gegenüber auf der anderen Straßenseite, in der Pausenhalle des ehemaligen Gymnasiums von den Architekten Groth Lehmann Schlote, zeigen die beiden Berliner Künstler Alekos Hofstetter und EVOL die Ausstellung DOPPELPLUSMODERN, die ebenfalls die Auseinandersetzung mit der Architektur der Nachkriegsmoderne zum Inhalt hat. Der Zeichner und Maler Alekos Hofstetter setzt sich in seinem 2012 begonnen Werkzyklus Tannhäuser Tor mit der stetigen Veränderung der Architektur der Epoche von 1950 bis 1980 auseinander. Durch ihr mitunter rasantes Verschwinden offenbart sich das Scheitern ihres einstigen utopischen Versprechens. In seinen Zeichnungen und teilweise großformatigen Gemälden konstruiert Hofstetter ein neues Verhältnis von Architektur und umgebender Landschaft, in dem diese Verlusterfahrung als Moment der Melancholie sichtbar wird.

Alekos Hofstetter
Alekos Hofstetter
Alekos Hofstetter: unbetitelt, Acryl-Marker, Tusche, Permanent-Marker auf Papier – eine Arbeit aus diesem Jahr.

EVOL dagegen arbeitet mit Fundstücken aus dem öffentlichen Raum, Stromkästen, gebrauchtem Baumaterial, Betonpollern, denen er durch einfache Eingriffe eine neue Bedeutung verleiht. Die verwandelten Banalitäten des Alltags transformiert er durch Hinzufügung von Farbe in Architekturen ganz anderer Maßstäblichkeit. So übermalt er den Sockel eines nicht mehr vorhandenen Technikgerätes mit der Fassade eines äußerst belanglosen Wohnhauses aus der Zeit des großen Massenwohnungsbaus, ohne den alten Klotz zuvor einer Säuberung zu unterziehen. Schmutz, Beschädigungen, Gebrauchsspuren machen die Individualität des Alltäglichen aus, werden zur Besonderheit, ermöglichen innere Entdeckungsreisen in die Geschichte von Ort und Objekt. Die Makel des Bestandes werden zum Schönheitsfleck des Neuen.

Während es also bei Alekos Hofstetter die besonderen Architekturen der Epoche der Big Beautiful Buildings sind, so ist es bei EVOL der Alltag, der jeweils unterschiedlich behandelt und inszeniert wird. Dieser Gegensatz zwischen den präsentierten Arbeiten wird in der Pausenhalle des früheren Gymnasiums und ehemaligen Robert-Schuman-Kollegs gezeigt.

17. August bis 21. September, freitags, samstags, sonntags 14 bis 18 Uhr, Sckellstraße 5-7 und Sckellstraße 12

Big Beautiful Buildings – Als die Zukunft gebaut wurde ist ein Projekt im Rahmen des Europäischen Kulturerbejahres. Mehr dazu unter:

www.bigbeautifulbuildings.de

 

 

Ort

Villa mit Schwimmbad und Pausenhalle ehemaliges Berufskolleg/Goethe-Gymnasium
Sckellstraße 5-7 und Sckellstraße 12
44141 Dortmund
https://bigbeautifulbuildings.de/
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